Der große trapezförmige Platz, an dem die wichtigsten Gebäude von Pienza liegen, ist in der ganzen Welt bekannt. Nicht so bekannt ist dagegen der unvergleichliche Zauber der Pieve Corsignano, die an der zur Adria führenden Straße ursprünglich als ländliche Taufkapelle errichtet wurde. Das Gebäude, dessen Baubeginn vielleicht auf das 7. Jh. zurückgeht, präsentiert sich mit einem zylinderförmigen Glockenturm in vorromanisch-lombardischem Stil; in der Toskana eine Seltenheit. Die Ornamente der zwei Portale weisen eine dichte und symbolreiche Figurenschar mit mittelalterlichen Bestiarien auf. Beunruhigende Sirenen, Schlangen, das Lebensrad, Löwen: Alle stark mit der etruskischen, klassischen und gallischen Kultur verknüpft, vor allem in Bezug auf die Anbetung der Wassergottheiten. Die Blumen stehen, so wie die Dreiecke (Stilisierungen des Abendmahlbechers) in der Legende des Grals, für die Präsenz des Opferkelchs. Am Südportal sind dionysische Elemente zu sehen (die Schlange und die Weinrebe): In den ländlichen Gegenden dauerten die landwirtschaftlichen Riten und der Mysterienglaube noch lange fort.







